Fachkräftemangel in der Physiotherapie: Was Schweizer Praxen jetzt tun können

Du hast eine offene Stelle ausgeschrieben. Die Wochen vergehen. Vielleicht kommt eine Bewerbung, vielleicht keine. Dein Team kompensiert die Lücke, die Stimmung leidet, die Wartelisten wachsen.
Praxisführung & Management, Recruiting
Physiotherapeut im Gespräch mit Patient in einer Schweizer Physiopraxis.

Das ist kein Pech. Das ist der Alltag von Praxisinhabern in der Schweizer Physiotherapie.

Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie gehört laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium zu den strukturellen Herausforderungen des Gesundheitssystems – und er wird in den nächsten Jahren nicht einfacher. In diesem Beitrag schauen wir uns an, was hinter dem Problem steckt und was Du als Praxisinhaber konkret tun kannst.

Warum der Fachkräftemangel in der Physiotherapie strukturell ist

Das Problem beginnt bereits bei der Ausbildung. Wie ein Beitrag des SRF zeigt, werden jährlich zwischen 500 und 600 Physiotherapeuten ausgebildet – der tatsächliche Bedarf liegt laut Physioswiss jedoch bei 800 bis 1000. Die Lücke ist also schon eingebaut, bevor eine Praxis überhaupt eine Stelle ausschreibt.

Dazu kommt: Laut einer Publikation des Instituts für Physiotherapie der ZHAW verliessen zwischen 2016 und 2018 Rund 28 Prozent der ausgebildeten Physiotherapeuten den Gesundheitssektor, entweder für einen anderen Beruf, eine Pause oder eine Tätigkeit ausserhalb des ambulanten Bereichs.

Eine SVFB-Studie (2025) bestätigt: Der Fachkräftemangel trifft die Physiotherapie besonders hart. Zu tiefe Tarife, hohe administrative Belastung und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung prägen den Berufsalltag und mindern die Attraktivität des Berufs. Das Ergebnis: Wer eine Stelle ausschreibt, muss laut Physioswiss im Durchschnitt drei Monate Geduld mitbringen, bis sie besetzt ist.

Das eigentliche Problem: Der Markt hat sich gedreht

Noch vor zehn Jahren suchten Therapeuten Stellen. Heute suchen Stellen Therapeuten.

Die besten Talente sind heute bereits in einem Arbeitsverhältnis, aber offen für neue Jobangebote. Sie suchen Arbeitgeber, die nicht nur ein Gehalt, sondern auch ein inspirierendes Arbeitsumfeld bieten.

Das ist eine fundamentale Verschiebung, auf die viele Praxen noch nicht reagiert haben. Ein Inserat auf einem Stellenportal zu schalten reicht nicht mehr. Die Frage ist nicht: «Wer bewirbt sich bei uns?» Sondern: «Warum sollte sich jemand bei uns bewerben?»

Rund 90 Prozent aller angestellten Therapeuten sind nur passiv oder latent auf Stellensuche. Der grösste Teil des Talentpools wird von klassischen Ausschreibungen nie erreicht.

Was Therapeuten wirklich wollen

Gehalt ist wichtig. Aber es ist nicht das Einzige. Flexible Arbeitszeiten, ein motiviertes Team, die Taktung der Behandlungen und Weiterbildungsmöglichkeiten sind für viele Therapeuten genauso entscheidend wie das Gehalt, sobald die finanziellen Grundbedürfnisse gedeckt sind.

Was das für Dich bedeutet: Du musst nicht die höchsten Löhne zahlen, um gute Leute zu finden. Du musst zeigen, wer Du als Arbeitgeber bist.

Vier Ansätze, die in der Praxis funktionieren

  1. Arbeitgebermarke aktiv gestalten: Was erzählt Dein Team über Deine Praxis, wenn niemand zuhört? Das ist Deine Arbeitgebermarke. Zeig sie nach aussen – authentisch, nicht poliert.
  2. Bewerbungsprozess vereinfachen: Ein langes Formular schreckt ab. Ein kurzer, mobilfreundlicher Einstieg senkt die Hürde deutlich.
  3. Flexibilität als echtes Angebot: Teilzeit, angepasste Arbeitszeiten, klare Taktung. Das sind heute keine Nice-to-haves mehr.
  4. Netzwerk als Recruiting-Kanal: Empfehlungen aus dem eigenen Team oder aus dem Netzwerk sind nach wie vor der stärkste Kanal. Eine Praxis, die Teil eines grösseren Netzwerks ist, hat hier einen natürlichen Vorteil.

Einzelkämpfer oder Netzwerk: der strukturelle Unterschied

Als Einzelpraxis bist Du im Recruiting auf Dich gestellt. Deine Reichweite ist begrenzt, Dein Budget für Stelleninserate auch.

Als Teil eines Netzwerks wie Swiss Physio Partner ändert sich das. Recruiting-Support, gemeinsame Arbeitgebermarke, Sichtbarkeit über mehrere Standorte hinweg. Das sind konkrete Entlastungen im Alltag.

Wenn Dein Team weiss, dass es Teil von etwas Grösserem ist, spricht es auch so darüber. Und genau das hört der Therapeut, der passiv auf Jobsuche ist.

Mehr dazu, wie eine Partnerschaft mit SPP aussehen kann, kannst Du hier nachlesen.

Fazit: Das Problem löst sich nicht von selbst

Eine Entspannung des Fachkräftemangels in der Physiotherapie zeichnet sich laut SVFB-Studie nicht ab. Die strukturellen Ursachen bleiben bestehen.

Was sich verändern lässt, ist die eigene Positionierung. Wer als Arbeitgeber sichtbar ist, eine klare Kultur kommuniziert und im richtigen Netzwerk verankert ist, hat auch in einem engen Markt bessere Chancen.

Wir reden gerne darüber, wie das konkret aussehen kann – in Deiner Praxis, in Deiner Region.

Lass uns über Deine Zukunft sprechen

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